Kasachische Melonen

Wir waren gerade noch kurz in der Stadt, um eine SD-Karte für die Kamera zu kaufen. Damit waren wir wenig erfolgreich, aber stattdessen haben wir auf dem Weg eine kleine Melone gekauft, weil wir noch Lust auf etwas fruchtiges hatten. Die wirklich kleinste von allen nahmen wir mit und sie wiegt schlappe 7 kg und kostete… bitte festhalten… 1,95€ (sprich 390т)!!! Meine Freundin meinte noch, dass das teuer wäre und die größeren Melonen besser gewesen wären, aber wir müssen sie noch vor unserer Abreise morgen essen. Die anderen zu erwerbenden Melonen zeigten ungefähr das doppelte Kaliber von unserer!!!
Ich bin gespannt auf den Geschmack dieser „schlechten“ Melone.

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Kasachstan IV

Wir sind wieder da!
Nach einer ganzen Woche in der wilden Natur Kasachstans haben wir endlich wieder zivilisierten Boden Almatys unter unseren Füßen. Dort, wo wir waren, hätte man uns im Notfall – und für den gab es Möglichkeiten genug – sicherlich nie wieder gefunden, aber Gott sei dank sind wir alle gesund zurück.
Soviel wie ich in dieser Woche an Neuem erlebt habe, fällt es mir schwer einen richtigen Anfang zu finden. Daher versuche ich einfach dort anzusetzen, wo ich aufhörte.

Nachdem dem herzlichen Empfang waren wir aufgrund des Jetlags sehr müde und daher bald im Bett. Wir verbrachten noch einen Tag in Almaty, um uns mit einer Freundin, eine junge Musikstudentin für Klavier und Orgel, die uns mit ihrer sportlichen Limousine sicher durch den für einen Mitteleuropäer nicht ungefährlichen Verkehr steuerte, ein bisschen die Stadt und den Großen Garten Almatys anzusehen, der vom Präsidenten des Landes Nursultan Nasarbajew gestiftet wurde.

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Dieser meistens einfach Präsidentenpark Genannte ist, wie übrigens Almaty vielerorts selbst, hübsch mit bunten Blumen geschmückt und zieht sich sehr weit an einem langgestreckten Vorgebirgshügel.

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Als die Dämmerung hereinbrach, machten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, um das Mega Center zu besuchen. Im Grunde genommen eine große Einkaufsgalerie, wie man das schon aus unseren Städten kennt. Es überraschte dann auch nicht sehr, dass dort die gleichen Markenläden anzutreffen waren. Dabei haben sich die Erbauer bei diesem Exemplar etwas einfallen lassen: es gab eine Schlittschuhlaufbahn und, was mich sehr erfreute, eine kleine Kletterhalle. Ich hatte die Finken natürlich nicht dabei, obwohl sie sich im Gepäck befinden, es wäre aber auch keine Zeit dafür gewesen.
Da wir hungrig waren entschieden wir uns nach einiger Überlegung für einen Burgerladen à la Mc Donald’s. Ich gedachte eigentlich ein Gericht namens Kumpir zu essen, das für Kasachstan üblich ist, dieses war aber nicht erhältlich. Daher begnügte ich mich mit einem herkömmlichen Cheeseburger, der wie wir später noch feststellen mussten, glatt doppelt so teuer war wie das gleiche Modell am Stand hinter dem Center. Wir nahmen also die drei Euro in Kauf und bekamen dafür aber eine ordentliche Version dieses Gerichtes, also nicht die Sparvariante von McD und Co. mit dem stabilisatorenstrotzenden Scheiblikäse, dem kaum wahrzunehmenden Salatblatt, der geschmacksfreien Bulette mit den Trauergürkchen und dem obligatorischen Geizkleks Ketchup, sondern so wie bei einer ordentlichen Burgerbude mit Viel und vorallem Marinade. Herzhaft biss ich hinein und herzhaft ronn der Geschmack der tatsächlich separat intensiv wahrnehmbaren Ingredienzien über die Geschmacksknospen meines eingespeichelten Mundeingeweides. Vor meinem geistigen Auge öffnete sich ein mit saftigen Gurkengirlanden umranktes, güldenes Tor in eine dahinter liegende Frühlingsaue durchzogen von kleinen Remouladenbächlein auf denen zarte Feenwesen Rindfleischgewiegtes auf die müden und von Billigketten und großmarktzutatendurchsetzten Fastfoodspelunken geplagten Gaumen grauer, aber langsam und stetig wieder erleuchtender Erdenburger legten. Mit goldbraunen, in zerlassener Fassbutter geschwenkten Zwiebelringen umgürtete Elfenchöre singen auf riesigen, frischgrünen, sich in schmackhafter, zart würziger Mayonnaise drehenden Salatblättern schwimmendend den Hymnus von dem der da kommt:

der erste Cheeseburger mit Geschmack!

Ich weiche hier bewusst vom Thema ab und werde sicherlich noch einiges über eine meiner größten Lieblingsbeschäftigungen schreiben. Hier, in dem Land, welches die meisten Burger Europas als den letzten Popel ansehen, der dem großen kommunistischen Bruder aus der Nase rollte, macht man der europäischen und vor allem der deutschen Küche vor, wie’s gemacht wird. Mit gesunden und frischen Zutaten aus der Region wird dem auf dem Gewürzkarussell reitenden, die Geschmacksverstärkersense „Aroma“ fest in beiden Händen schwingenden Elend in unserem Land die hässliche Maske heruntergerissen. Was auf güllegetränkten, mit zwei sich kümmerlich emporquälenden Sorten von Gras abgereicherten Wiesen und von Monokulturen zerfressenen Feldern krampfhaft und im nichtvorhandenen Schweiße des Angesichts des Großbetriebslakaien, weil vollklimatisierten Hightechtraktor mit vor Erosionsboden schützender Doppelbereifung fahrenden, an landwirtschaftlicher Fauna und Flora herangezogen wird, steht auf inhalt- und stofflich ganz dünnen Beinen und Halmen. Da muss der Europäer erst die Permakultur erfinden, um endlich das zu erkennen, was der Kasache auf dem Dorf schon immer praktiziert: der Mensch ist das einzige Unkraut in seinem Garten.

Wo war ich?!? Mangelnder Separatismus eines jungen und unerfahrenen Bloggers…

Kasachisches Geld

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Die kasachische Währung nennt sich тенге (kasachisch; ausgesprochen: Tengje zu deutsch: Geld) und kommt in hübsch gestalteten Scheinen und Münzen. Darauf findet sich der Lebensbaum, das Wahrzeichen der Hauptstadt Kasachstans, Astana, wieder. Weitere interessante Details sind zum Beispiel die typischen Nationalsymbole und Höhlenmalereien.
Die Umrechnung in Euro ist grob 1 тенге entspricht einem halben Euro Cent.

Kasachstan III

Wir landeten gegen 05:30 Uhr auf dem Flughafen von Almaty und mussten dort noch ca. eineinhalb Stunden verbringen, um tatsächlich kasachischen Boden betreten zu dürfen. Meine Freundin war wieder mal überrascht, wie unkompliziert mein Visum durch alle Kontrollen lief. Andere Passagiere mussten unverständliche, kleine Zettelchen ausfüllen, ich hingegen ging zum Schalter, brachte ein müdes und unerwidertes „здравствуйте“ hervor, wurde mit meinem Pass per Kamera abgeglichen – wobei jeglicher persönlicher Kontakt vermieden wurde – um mich dann mit einem kurzen, gelangweilten Blick in die Freiheit zu entlassen.
Die Eltern meiner Freundin warteten schon eine ganz Weile am Flughafen auf uns, begrüßten uns herzlich und fuhren uns dann durch den morgendlichen Stadtverkehr, der die typisch östliche Ordnung in der Unordnung aufwies, zu unserer geräumigen Bleibe, welche einen wunderschönen Blick auf die Berge zulässt.

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Wir gingen eigentlich sofort ins Bett und schliefen erst einmal bis 13 Uhr. Nach einem leckeren Frühstück fuhren wir mit den Skates durch die Stadt zur elterlichen Wohnung meiner Freundin. Wiederum wurden wir aufs freundlichste empfangen, diesmal auch von ihrer Tante, Cousine und ihrem Bruder. Es folgte ein ausgiebiges und sehr schmackhaftes Essen, mit leckeren Vorspeisen und dem kasachischen Nationalgericht, was sich seit seiner Einführung in der Nomadenzeit wohl kaum geändert haben soll (bis auf die Kartoffeln). Es nennt sich „бешбармак“, ausgesprochen Beschbarmak und zu deutsch „Fünf Finger“. Der Name rührt daher, dass man es mit allen fünf Fingern ißt, was auch heute noch, aber nur bei diesem Gericht, erlaubt ist. Die Zutaten sind übersichtlich. Ein extrem dünner, großer Teigfladen, einem Eierkuchen ähnlich, wird in einer Fleischbrühe kurz eingelegt bis er weich ist, danach legt man ihn abgeseiht auf einen großen flachen Teller und es kommt gekochtes Pferde- und Lammfleisch, aus dem die Brühe hergestellt wurde, dazu. Darüber wird eine Brühe aus Knoblauch und Zwiebeln gegossen und ein paar Kartoffeln hinzugelegt. Generell kann man sagen, dass die Speisen entgegen der europäischen Gewürzverliebtheit mit Salz und Pfeffer auskommen. Dadurch schmecken sie aber wesentlich ursprünglicher und vorallem das Fleisch behält seinen eigentlichen Geschmack bei.
Es wurde jede Menge Obst zu allen Mahlzeiten gereicht und was soll ich dazu sagen? Man hat als Mitteleuropäer einfach noch kein Obst gegessen! Der Gehalt an Fruchtzucker ist gewaltig und der Geschmack… unbeschreiblich! Was auch immer man ist, Aprikosen, Weintrauben, Melonen, Pfirsiche, es schmeckt einfach perfekt gereift. Es gibt auch ein paar Exemplare die anders schmecken, aber ansonsten ist das schon eine Reise wert.
An meine Mutter:
Ich habe leider vergessen das Essen zu fotografieren. Na ja, vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Talking Grades

Manchmal hat das Englische aber auch schöne griffige Formulierungen. „Talking something“ ist zum Beispiel eine solche. Mir fällt keine ebenso knackige Wortgruppe im Deutschen ein. „Grade betreffend“? Na ja, ganz schön müde für meinen Geschmack.

Zum Thema:
Ich halte mich selbst für einen lausigen Boulderer. Ich habe mit dem Bouldern im Oktober 2009 begonnen. Ein Freund nahm mich mit in eine kleine Vereinshalle, die Boulderbox im Dresdner Felsenkeller. Die gibt es zwar noch, sie ist aber nach meinem Kenntnisstand, am Aussterben, da die Initiatoren nun eine erfolgreiche kommerzielle Boulderhalle in Dresden führen, welche sich Kletterarena nennt und dem Rest des Vereins ein bisschen das Know-how im Routenbauen fehlt. Das Thema Unsportlichkeit habe ich ja bereits angesprochen, aber damals habe ich mich wirklich Fb 3er hochgequält. Durch meine Körperlänge bin ich ziemlich schwer (ca. 83 Kg) und verfügte nicht über die erforderlichen Muskelkräfte, um mich in solchen Graden an der leicht überhängenden Wand zu halten, vorallem Sitzstarts waren mir unmöglich. Ich hatte zwar zuvor schon mehr Sport gemacht als zu Schulzeiten, aber der half mir hier nicht weiter.
Doch das Bouldern hatte mich gepackt und ich war von dieser Sportart so begeistert, dass ich zum Teil fünf mal die Woche in der Boulderbox trainierte. Es fielen die gelben Routen, dann folgten die orangenen und ich kam am Ende meiner Vereinszeit sogar manche blaue Linie hoch. Das Ende der Fahnenstange lag ungefähr bei Fb 5B und damals schraubte noch Jürgen Schmeißer, der für seine angemessenen bis harten Bewertungen schon aus seinem Kletter- und Boulderführer Ostsachsen bekannt war.
Die Mitgliedschaft dauerte insgesamt ca. zweieinhalb bis drei Jahre, das genaue Datum habe ich nicht mehr im Kopf. Danach folgte eine Zeit des ständigen Wechsels der Trainings- und Klettersituationen. Auslöser waren meine ersten Schritte am Naturfelsen und eine damit einhergehende Leidenschaft für das Chrashpadbouldern. Mein Bruder hatte sich eins gekauft, weil es im Sonderangebot war, hat es aber nie benutzt. Irgendwann übergab er es an mich, da bei mir deutlichere Ambitionen zu erkennen waren, das Möbel auch einzusetzen. Damit hatte ich mein erstes Crashpad, ein Quarter Pounder von SNAP. Diese Landehilfe ist auf den ersten Sturz toll, aber schon bei den nächsten kommt man schnell mal die Nachteile zu spüren. Aber darüber schreibe ich in einem anderen Artikel.
Ich tobte mich erstmal ganz in der Nähe meines Wohnortes in einem ehemaligen Sandsteinbruch aus. Diesen Spot hatte ich im oben genannten Führer von Jürgen Schmeißer gefunden. Dort reichten die Schwierigkeiten von 3-6C. Es waren ein paar hübsche Probleme dabei, aber es fehlte ein bisschen an eher dreidimensionalen Problemen, da man praktisch immer nur glatte Wände hochstieg. Die eine 6C war ein Dynamo (Sprung) der für mich aber viel zu leicht war. Ein anderer 6B-Dyno (diesmal passt der Grad) wartet noch auf seine Vollendung. Diese Dinger sind dort sehr schwierig, da es kein Topout gibt und der Absatz zu dem man springen muss immer sehr sandig ist und daher man beim Springen die Augen schließen sollte. Bis man dann auch den Zielgriff „sauber“ gesprungen hat, dauert es eine ganze Weile, da die Wandhöhe putzen nicht zulässt.
Nach einer Weile wurde ich der sehr vertikalen Kletterei mit vielen Rissen im Sandsteinriegel überdrüssig und ich suchte nach neuen Spots, die mehr dem Bouldern, wie ich es aus der Halle kannte, nahekamen. Ich machte mich auf in die Dippoldiswalder (kurz: Dippser) Heide. Sie war zwar etwas weiter entfernt, aber trotzallem noch gut erreichbar und bot interessantere Boulderprobleme. Obwohl auch dort teilweise in Sandsteinbrüchen geklettert wird, sind die Strukturen doch abwechslungsreicher und bieten interessante, meist technische Aufgaben. Dort geschah dann auch ein für mich bedeutender Moment: ich konnte meine erste outdoor 6A klettern. Es war eigentlich nur ein hässlicher Sitzstart zu einer scharfen Leiste, aber ich brauchte gut drei Stunden, um das Problem zu lösen, wo ich meine Füße platziere und dann meine ungünstig langen Beine hinfalte. Aber auch dieses Gebiet ist schnell erschöpft und außerdem, wegen der unzähligen Mücken wirklich nur in kalten Monaten zu genießen. So pendelte ich einige Zeit hin und her, habe in Dresden auch mal ein bisschen Buildering gemacht (Bouldern an Gebäuden und Brücken), aber irgendwie stagnierte es ziemlich und ich kam auch nicht dazu noch eine 6A zu punkten. Zwischendurch habe ich auch in Ermangelung eines Kletterpartners mit Solotopropen angefangen, hatte aber bald aufgrund des überbordenden Ausrüstungsaufwands es wieder gelassen. An Sportklettereien kam eine 6b+ dazu und andere 6er aber ansonsten war es eher eine mäßig erfolgreiche Zeit.
Das Problem lag darin, dass ich nach einer Weile in der Halle entweder kein Geld mehr hatte oder wieder raus an den Felsen wollte. So stellten sich irgendwie keine spürbaren Verbesserungen ein und als ich nach einer längeren Zwangspause wegen wochenlanger sintflutartiger Regenfälle das erste mal am Felsen war, ging eigentlich gar nichts mehr.
Doch in diesem Jahr änderte sich einiges zum Positiven. Ich meldete mich bei der lokalen Kletterhalle ab und kaufte mir ein Fingerboard, präzise gesagt ein Beastmaker 1000. Im Fitnessraum der Hochschule begann ich nun mich mit diesem wirklich schön ausgearbeiteten Holzbrett meine Finger platt zu machen. Ich habe es jetzt sogar im Urlaub mit, aber momentan muss doch die Tischkante herhalten, da ich noch keinen geeigneten Platz zum Aufhängen gefunden habe. Was ich beobachten kann ist folgendes. Die Finger halten am Felsen wesentlich länger durch bzw. erholen sich schneller. Mittlerweile, nach ca. anderthalb Monaten wöchentlich zwei- bis dreimaligen Training an der Fingerleiste steigt auch die Maximalkraft der Finger deutlich. Nun kann man am Felsen auch mal beherzt in ein Zweifingerloch fassen, ohne gleich Angst zu haben, dass man sich berufsunfähig macht.
Einen letzten Punkt möchte ich noch ansprechen, um diesen langen Beitrag endlich noch ein bisschen zu verlängern. Ich habe nahe Pirna bei Dresden ein tolles Sandsteingebiet entdeckt, was ich in etwas mehr als einer Stunde per Bus und Bahn erreichen kann: das Bahratal. Ich bin diesbezüglich in einem neuen Himmel angekommen, da dieses kleine Bouldertal wirklich vieles bietet, was das Herz begehrt. Findlinge, Wände, Überhänge, Dächer, Sloperboulder, Leisten, Fingerlöcher; es ist einfach alles dabei und ich habe bis jetzt erst einen Bruchteil entdeckt.
Einen Großteil der Boulder findet man auf www.gulag-online.de. Obwohl die Karten genauer sein könnten, findet man nach einigem Suchen die schönen Spots. Die Kletterei ist dort sehr athletisch und technisch offensichtlicher, daher mag ich diesen Ort jetzt schon. Die Bewertungen sind zum Teil sehr unterschiedlich. Ich habe schon einer (sehr leichten) 6A einen Onsight abgerungen und hatte fast noch eine 6B in der Tasche, die mir von den Zügen richtig gut gefiel. An anderer Stelle wirft ein so mancher 5C-Überhang mit solcher Impertinenz und dicken Unterarmen ab, dass man ins Grübeln kommt. Das soll nicht heißen, dass ich an den Schwierigkeiten zweifle, ist ja eh nur für die persönliche Bauchmietzelei. Ich kann aber sagen, dass ich in diesem Tal noch einige schöne Stunden verbringen werde.
Damit ist ein erster Überblick gegeben, was meine persönliche Leistungsgrenze im Moment ist und ich wiederhole mich: ich bin ein lausiger Boulderer, aber eine 7A werde ich schon irgendwann noch aus mir rauspressen und auf diesen Moment freue ich mich jetzt schon, weil ich weiß, was man mit Geduld und Gelassenheit alles erreichen kann.

Kasachstan II

Очень приятно! So sagt, der Kasache, wenn er nicht in seiner Landessprache spricht. So ist auch der erste Eindruck meiner Reise nach Kasachstan (internationale Abkürzung: KZ). Unser Flug startete mit ein paar Minuten Verspätung in Berlin, wo wir, meine hübsche Freundin und ich, zuvor noch etwas bangen mussten, da unser Bus von Dresden nach Berlin, aufgrund des erwartungsgemäß, aber von der Buslinie dennoch nicht eingeplanten, schleppenden Verkehrs auf dem Berliner Ring, mit einer Dreiviertel Stunde Verspätung in Tegel ankam. Wir hatten noch eine Stunde bis Abflug, aber am Check-In war es nochmal knapp.

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Die Überraschung für mich kam alsbald übers Roll- in unser Blickfeld gerollt, während wir am Gate auf das Boarding warteten. Ich nahm an, dass der Flug nach Prag in einer herkömmlichen Luftfahrtmaschine abliefe. Damit meinte ich Flugzeuge, mit denen ich bisher auf kurzen Flügen geflogen bin, wie z.B. ein A319 oder 320. Da aber anscheinend keiner Lust hatte das schöne Prag an diesem Tag zu besuchen, entschied sich Czech Airlines für ein noch kleineres Modell, was dazu auch noch spärlich besetzt war. Eine selbst gegenüber den Privatjets auf dem Tegelluftraumhafen winzig erscheinende Propellermaschine vom Typ ATR 42 mit einer Gesamtpassagierzahl geringer als ein Fahrzeug der Dresdner Buslinie 61 wartete auf der anderen Seite des Rollfeldes auf unseren Zustieg.
Das Flugzeug war so klein, dass ich mein Handgepäck noch kurz vor Flugantritt auf Anweisung der Stewardess dem Verantwortlichen zur Verstauung im Frachtraum überreichen musste, da kein Platz mehr in den Überkopffächern zur Verfügung stand.

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Die beiden Stewards hatten auch nicht das klassische Separee, um für Start und Landung sich zu setzen, sondern musste auf Stühlen Platz nehmen, die sich mitten im Gang befanden.
Nun der Flug war nicht lang, eine knappe Stunde, aber an Beinfreiheit war nicht zu denken und die Maschine hatte auch nichts besseres zu tun, als das, was mir schon immer am Fliegen missfiel, nämlich heftig zu wackeln. Dieser Teil unserer Reise war für mich eine völlig neue Erfahrung und deswegen herzlich willkommen.
Den Flug von Prag nach Almaty absolvierten wir ebenso in einer Maschine eines mir bis dato unvertrauten Fabrikats, dem A330.

20130812-223809.jpgMit knapp 280 Sitzplätzen das genaue Gegenteil der Mücke nach Prag war dieser Flug erwartungsgemäß ruhig. Ich war sogar ein bisschen überrascht, denn man spürte bis auf den Startschub und das Landebremsen den ganzen Flug über gar nichts. Jeder hatte seinen eigenen Bildschirm mit einer üppigen Auswahl an Filmen, Serien, Musik, Spielen etc. in der Rückwand des Vordersitzes. Was mich zum Schmunzeln brachte war die Tatsache, dass in der Mediathek Jazz unter World Music und darin Miles Davis „Kind Of Blue“ und die Stan Getz Bossa Nova Kollektion unter Contemporary Jazz und John Coltranes „Blue Train“ und vorallem „A Love Supreme“ unter Traditional Jazz eingeordnet waren.

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Um die Flugreise zeitlich einzuordnen: wir starteten 16:45 Uhr in Berlin und landeten 05:30 Uhr in Almaty, also 01:30 Uhr ohne Zeitumstellung.

Kasachstan

Es fand noch keine Erwähnung an dieser Stelle, aber wir fliegen heute nach Kasachstan. Meine hübsche Freundin wird sich noch ausruhen, da sie gestern mit wieder mal beeindruckender Präzision an Gewicht und Packmaß unsere Sachen verstaut hat. Momentan bin ich noch unterwegs, weil ich noch ein paar Dinge erledigen muss, die aufgrund meiner Dusseligkeit gestern noch keine Klärung erfuhren. Aber der Businessman, der übern Dreckplatz latscht, weißt mir den Weg zur Abkürzung.
Dabei fällt mir auf, dass ich vergessen habe mein Handy aufzuladen und wir fahren schon in drei Stunden mit dem Bus nach Berlin. Wird schon…
Von Berlin aus geht es dann mit dem Düsenflieger nach Prag und von dort aus mit nur kurzer Pause dazwischen nach Almaty der Hauptstadt Kasachstans.

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Mittlerweile sitzen wir im Bus und warten auf die Abfahrt. Ich bin sehr gespannt.

Bouldern

Manch einer mag mit dem Begriff des Boulderns nichts anfangen können. Ich möchte ihn hier kurz und knapp erklären.
Es ist schlicht sicherungsfreies Klettern in Absprunghöhe. Dabei kommen im Wesentlichen neben dem eigenen Körper drei Dinge zum Einsatz:
• Kletterschuhe, bei dieser Spielart des Kletterns meistens im Bereich von eng bis Aua-eng.
• Magnesiumcarbonat = das Lügenpulver; kurz Magnesia, Maggi oder Chalk, um die Hände vom Angstschweiß zu befreien.
• Chrashpad, eine Matte um darauf zu landen, damit man sich nicht alle, sondern nur die unwichtigsten Knochen im Leib bricht, wenn man aus 5m Höhe angesegelt kommt. Bei den ersten Boulderpionieren war das eigentlich ein Stück Teppich auf dem man sich die Füße abgetreten hat.
Desweiteren können bei besonders horizontalen oder hohen Boulderpassagen sogenannte „Spotter“ hilfreich sein. Nein, das sind keine Schadenfreudigen, die einen bei Versagen auslachen, sondern Bereitwillige, die einen beim Abflug in Richtung Crashpad schubsen, damit dieses seine Wirkung entfalten kann. Natürlich sind diese auch sehr praktisch, um anschließend die Gründe für Erfolg oder meistens den Misserfolg zu diskutieren oder sich einfach ein bisschen auszuheulen. Also ein bisschen wie bei den fünf Leuten die man braucht, um eine Glühbirne in ihre Fassung zu drehen.
Das waren meines Erachtens die grundlegenden Fakten, dazu kommen die, wie auch beim Sportklettern, coolen Nebensächlichkeiten, wie:
• Videos auf Vimeo und Youtube, die den Akt wiedergeben
• ein Social Network, hier 8a.nu auf dem man seine Erfolge präsentieren kann
• Trainingsmöglichkeiten en masse
• eine nette, anregende Gemeinschaft von anderen Boulderern
• Boulderhallen in allen Größen
• und natürlich zahlreiche Boulderführer in gedruckter Form und online.
• belustigende, aber teilweise auch sehr ernstzunehmende Streitigkeiten auf diversen Plattformen des Internets

Die beiden wichtigsten Punkte möchte ich ganz am Ende nennen:
• die Freude an der Athletik und technisch anspruchsvollen Körperbewegungen und ein damit einhergehender hübsch anzusehender Muskelaufbau mit all seinen Vorzügen und Tücken
• das Naturerlebnis der besonderen Art, da man, anstatt an den schönen und z.T. sehr versteckten Orten vorbeizugehen, sie zu entdecken sucht, um eine Zeit dort zu verweilen, dort zu leiden und sich zu laben, dort zu wachsen an den Problemen, die einem so geboten werden und auch so manche Spur zu hinterlassen für andere die nachfolgen, ohne aber der Natur größeren Schaden zu bescheren.

Das ist für mich Bouldern.