Kasachstan IV

Wir sind wieder da!
Nach einer ganzen Woche in der wilden Natur Kasachstans haben wir endlich wieder zivilisierten Boden Almatys unter unseren Füßen. Dort, wo wir waren, hätte man uns im Notfall – und für den gab es Möglichkeiten genug – sicherlich nie wieder gefunden, aber Gott sei dank sind wir alle gesund zurück.
Soviel wie ich in dieser Woche an Neuem erlebt habe, fällt es mir schwer einen richtigen Anfang zu finden. Daher versuche ich einfach dort anzusetzen, wo ich aufhörte.

Nachdem dem herzlichen Empfang waren wir aufgrund des Jetlags sehr müde und daher bald im Bett. Wir verbrachten noch einen Tag in Almaty, um uns mit einer Freundin, eine junge Musikstudentin für Klavier und Orgel, die uns mit ihrer sportlichen Limousine sicher durch den für einen Mitteleuropäer nicht ungefährlichen Verkehr steuerte, ein bisschen die Stadt und den Großen Garten Almatys anzusehen, der vom Präsidenten des Landes Nursultan Nasarbajew gestiftet wurde.

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Dieser meistens einfach Präsidentenpark Genannte ist, wie übrigens Almaty vielerorts selbst, hübsch mit bunten Blumen geschmückt und zieht sich sehr weit an einem langgestreckten Vorgebirgshügel.

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Als die Dämmerung hereinbrach, machten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, um das Mega Center zu besuchen. Im Grunde genommen eine große Einkaufsgalerie, wie man das schon aus unseren Städten kennt. Es überraschte dann auch nicht sehr, dass dort die gleichen Markenläden anzutreffen waren. Dabei haben sich die Erbauer bei diesem Exemplar etwas einfallen lassen: es gab eine Schlittschuhlaufbahn und, was mich sehr erfreute, eine kleine Kletterhalle. Ich hatte die Finken natürlich nicht dabei, obwohl sie sich im Gepäck befinden, es wäre aber auch keine Zeit dafür gewesen.
Da wir hungrig waren entschieden wir uns nach einiger Überlegung für einen Burgerladen à la Mc Donald’s. Ich gedachte eigentlich ein Gericht namens Kumpir zu essen, das für Kasachstan üblich ist, dieses war aber nicht erhältlich. Daher begnügte ich mich mit einem herkömmlichen Cheeseburger, der wie wir später noch feststellen mussten, glatt doppelt so teuer war wie das gleiche Modell am Stand hinter dem Center. Wir nahmen also die drei Euro in Kauf und bekamen dafür aber eine ordentliche Version dieses Gerichtes, also nicht die Sparvariante von McD und Co. mit dem stabilisatorenstrotzenden Scheiblikäse, dem kaum wahrzunehmenden Salatblatt, der geschmacksfreien Bulette mit den Trauergürkchen und dem obligatorischen Geizkleks Ketchup, sondern so wie bei einer ordentlichen Burgerbude mit Viel und vorallem Marinade. Herzhaft biss ich hinein und herzhaft ronn der Geschmack der tatsächlich separat intensiv wahrnehmbaren Ingredienzien über die Geschmacksknospen meines eingespeichelten Mundeingeweides. Vor meinem geistigen Auge öffnete sich ein mit saftigen Gurkengirlanden umranktes, güldenes Tor in eine dahinter liegende Frühlingsaue durchzogen von kleinen Remouladenbächlein auf denen zarte Feenwesen Rindfleischgewiegtes auf die müden und von Billigketten und großmarktzutatendurchsetzten Fastfoodspelunken geplagten Gaumen grauer, aber langsam und stetig wieder erleuchtender Erdenburger legten. Mit goldbraunen, in zerlassener Fassbutter geschwenkten Zwiebelringen umgürtete Elfenchöre singen auf riesigen, frischgrünen, sich in schmackhafter, zart würziger Mayonnaise drehenden Salatblättern schwimmendend den Hymnus von dem der da kommt:

der erste Cheeseburger mit Geschmack!

Ich weiche hier bewusst vom Thema ab und werde sicherlich noch einiges über eine meiner größten Lieblingsbeschäftigungen schreiben. Hier, in dem Land, welches die meisten Burger Europas als den letzten Popel ansehen, der dem großen kommunistischen Bruder aus der Nase rollte, macht man der europäischen und vor allem der deutschen Küche vor, wie’s gemacht wird. Mit gesunden und frischen Zutaten aus der Region wird dem auf dem Gewürzkarussell reitenden, die Geschmacksverstärkersense „Aroma“ fest in beiden Händen schwingenden Elend in unserem Land die hässliche Maske heruntergerissen. Was auf güllegetränkten, mit zwei sich kümmerlich emporquälenden Sorten von Gras abgereicherten Wiesen und von Monokulturen zerfressenen Feldern krampfhaft und im nichtvorhandenen Schweiße des Angesichts des Großbetriebslakaien, weil vollklimatisierten Hightechtraktor mit vor Erosionsboden schützender Doppelbereifung fahrenden, an landwirtschaftlicher Fauna und Flora herangezogen wird, steht auf inhalt- und stofflich ganz dünnen Beinen und Halmen. Da muss der Europäer erst die Permakultur erfinden, um endlich das zu erkennen, was der Kasache auf dem Dorf schon immer praktiziert: der Mensch ist das einzige Unkraut in seinem Garten.

Wo war ich?!? Mangelnder Separatismus eines jungen und unerfahrenen Bloggers…

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