Der Regen

hörte auf, erwache vom leisen Knacken des matten, einst makellosen, silbrig weiß glänzenden Hammerschlagblechs. Ein Hauch von Adria weht zum geschlossenen, vom Alter und andauernder Bewitterung rissigen Kunstofffenster hinein und verfängt sich im Fliegengitter. Der Zehngeschosser schneidet hart gegen das noch tiefe Blau des Morgenhimmels, die alte Videothek wirkt daran wie angewachsen. Bittersüßer Genuss der Perspektive, ich höre ein Meer rauschen, aufgestanden.
Ich ergötze mich kurz an der Würze zwei, drei gerösteter Cashewnüsse, stelle mangelnde Ordnung in meinem Leben fest und beginne meine Morgentoilette mit Bohnenmahlen, Kratzen im Gesicht und der erneuten Aufforderung Wäsche zu machen. Das vergilbte Emblem, stolz, zu klein geraten auf dem Gehäuse der Mühle, kündet von fernen Kolonien und Errungenschaften der Industrialisierung. An diesem Morgen ist nichts dran.
Trage fruchtigen Kaffee im blauen Faltbecher über die Vierspurige mit baulicher Mittentrennung, erörtere Sinn und Unsinn literarischer Ergüsse auf der grauen Couch, welche man nur in eine Richtung streichelt, wie man es bei Hunden mit kurzem Fell tut, welche daraufhin mit den Hinterläufen zucken.

aus Reise ohne Wiederkehr

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