Widerwärtigkeiten, die einem begegnen können, wenn man abends in den Straßen einer hübschen Frau nachläuft

Gringoire, der praktische Philosoph der Pariser Straßen, hatte beobachtet, daß nichts eine angenehme Träumerei so begünstigt, als wenn man einer hübschen Frau folgt, ohne zu wissen, wohin sie geht. In diesem gewollten Aufgeben der persönlichen Freiheit, in dieser Laune, die sich der Laune eines anderen ahnungslosen Menschen unterwirft, liegt ein Gemisch eigensinniger Unabhängigkeit und blinder Unterwürfigkeit, ein Etwas in der Mitte zwischen Freiheit und Sklaverei, das Gringoire sehr behagte; denn er war eine sehr komplizierte, unbestimmte Natur und schwankte immer zwischen den äußersten Gegensätzen und allen menschlichen Möglichkeiten hin und her. Er liebte es sich mit dem Sarg des Mohammed zu vergleichen, der von zwei Magnetsteinen, die ihn nach entgegengesetzten Richtungen ziehen, ewig zwischen Höhe und Tiefe, Wölbung und Fußboden, Steigen und Fallen, Zenit und Nadir in der Schwebe gehalten wird.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

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