Lieber Andreas,

es freut mich auch von dir zu lesen. Zur Beantwortung deiner Frage kann ich nur auf den Umstand verweisen, dass ich mich an einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit einem Medium zugewendet, welches ich davor sträflich vernachlässigt hatte. Dir wird einleuchtend, dass es sich hierbei nur um nichts geringeres als die Literatur handeln kann und ich meine jene in ihrer verdienstvollsten Form.
Lange Zeit versuchte ich mich schon daran „Bücher zu lesen“, was auf den ersten Blick, vorallem im breiten Konsens der Massenkultur, keine Unterschiede zu implizieren scheint, bei eingehender Beschäftigung doch aber derer erhebliche und vorallem fundamentale aufweist. So bin ich dann auch nie so recht warm geworden mit der aktuellen Belletristik, hat sie sich, und der Buchmarkt bestätigt diese These in vollem Umfang, doch in weiten Teilen zum schriftlichen Pendant dessen entwickelt, was wir heute Film und Fernsehen nennen. Eine ständige Befruchtung untereinander führt ja mittlerweile zu inzestoiden Zuständen, was die Verquickung dieser beiden Mediengattungen angeht; Bücher zu Serien, Filme zu Büchern usw..
Daher hat sich bei mir für beide eine gewisse Ernüchterung eingestellt, welche sich zuallererst aus der permanenten inhaltlichen  Unterforderung nährt. Wesentliche Denk- und Imaginierungsprozesse werden überflüssig, da auf allen Erzählebenen, welche in ihrer Fülle die Komplexität eines literarischen oder filmischen Werkes ausmachen, geistiges Elfmeterschießen der durchgehende Tenor ist. Um bei den Metaphern und eben gerade dieser zu bleiben, Fußball in seiner strategischen und handwerklichen Leistung macht sich da schon aus wie ein Wendersfilm gegen Game Of Thrones und hätte sich meine volle Aufmerksamkeit verdient, wäre nicht der Spannungsverlauf häufig retrograd zu dem eines handelsüblichen Blockbusters.
Was übrig blieb, war die Hinwendung zur sogenannten „Weltliteratur“, was nicht unschwierig sein kann, da es zunächst eine geschmackliche Auswahl zu treffen galt. Der Zufall stieß mich auf eine Person, deren inneres Geflecht aus Leidenschaften, Interessen und Ästhetik mit dem meinen eine erhebliche Schnittmenge aufwies. Zunächst an den Ergüssen dieses Autors ein wenig abgearbeitet, entdeckte ich schnell die nötigen Querverweise und Rückverbindungen in die „große“ Literatur und seitdem ist der Eros das windgeblähte Segel und die Neugierde der Kompass, welche auf der Fahrt in die weißen Flecken meiner kulturellen Landkarte, auf der ich manches Mal vor Anker gehe, dann und wann mit elektronischen Tintenkleksen dürftiger Leistungen aus eigener Feder die Weltmeere verunreinige, mir Antrieb und Richtung geben.
„Herr der Ringe“ habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Ein herzlicher Gruß
Albrecht

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