Ob ich jemals zu ihr vorgedrungen war?

Zweimal.

Ein paar Stufen im Dunkel, mir waren die Tränen gekommen, zuvor im Wagen, mit dem ich sie nach hause gebracht hatte. Über die Einsamkeit, das Unvermögen einen Menschen zu halten.

Was hatte sie wohl gedacht, als ich mich ihr anvertraute? Hatte sie danach gefragt? Und dann diese Wut, es war gegen mich gerichtet, aber ich richtete es gegen alles andere. Und doch saßen wir danach noch lange im Dunkel, lehnten unsere Körper aneinander und taten weiterhin nichts als gegenseitig über unsere Finger zu streichen. Den anderen in der Erfüllung eigener Bedürfnisse unterbietend, genossen wir in Millimetern.
Es war ihm unmöglich die Bewegungen in ihrer Zartheit zu erfassen und so meldete er nichts und wir blieben in der Dunkelheit des Treppenhauses behütet. Irgendwann vergaßen wir unsere Hände und überließen das Zögern und Erkunden anderen Spiegelungen.

Ich begriff damals nicht, dass das ihre geheimnisvollste und gleichzeitig wahrhaftigste Sprache war und sie es nie anders hätte sagen können. Wir verstanden uns. An unserem ersten Tag. Später wartete ich immer auf eine Übersetzung, mehr weil ich meine eigene Ausdrucksweise zu verstehen nicht gelernt hatte, als dass ich die ihre nicht verstanden hätte.
Verstand sie auch, als sie nach über zwei Jahren das einzige Mal weinte und schluchzend das letzte Mal hinter mir die Haustür ins Schloß drückte. Ich verstand es am nächsten Tag, ihr in Tränen getränktes, verzweifelt wiederholtes „Es tut mir leid“ in meinen Gefühlen rasend und ihre Augen von der sich schließenden Tür für immer verborgen. Da war sie in ihrer ganzen Schönheit. Am Boden hatten wir wieder zu unserer gemeinsamen Sprache gefunden.
Ich blieb den ganzen Tag in der Wanne eines guten Freundes und ließ das Salz meines Schmerzes sich mit dem Badewasser vermischen.

Wären wir doch bei den Spiegelungen geblieben, ich könnte in diese Augen schauen, jeden Tag.

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