Spaziergang in Putbus

​Eine Stadt, welche sich mit dem Feingefühl eines Leichenbestatters geschichtsträchtig gibt. Durch die weiße Wand gelingt die Beraubung jeglicher Historie, zumindest jener, welche ganz ursprünglich tatsächlich Bericht oder Nachricht für alle Nachkommenden hätte gewesen sein können. Die hier vorgefundene, ist eher kartographischer Natur, das Inventar einer Stadt. Gesimse und Kapitele im stillen Ringen mit dem optimalen U-Wert. Jedes bekommt ein Schild, mehr zur Ausweisung als zur Auszeichnung, ein Kärtchen am großen Zeh. „Dieses Haus kaufte 1783 der Zimmermann Hans, das Grundstück wurde geteilt.“ Fassadisch einbalsamiert, ein Haken verteilt; die anderen tatsächlich noch lebenden haben auch eins, zur Versicherung: ihr seid auch noch dran. Welche ohne Hoffnung sind, keine Aussicht auf Einreihung in die Fluchtpunktlinie bieten, tragen keins.

Es ist als schriebe man von Bernd Komnick, welcher hier gerade ausstellt, „erhielt diverse Stipendien und lebt.“

Die Werbebroschüre der Stadt, eine klassizistische Masturbationsvorlage, darin die besten „Stücke“ wie für einen imaginären Makler oder für Sextouristen in Architektur aufgereit. Auch weiß man nicht so recht, dieser Umstand wird einem bei näherer Betrachtung deutlich, Residenzstadt oder Rosenstadt, auf jeden Fall „die weiße Stadt“, so raunt man hochachtungsvoll.

Gondors Perle ist fest in Investorenhand. Wir lernten nichts aus unseren Schlachten, die Geschichte wird noch von den Siegern geschrieben.

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