06:30 – Dresden erkältet

Zähflüssiges Sputum landet im 5-Minutentakt in einem nicht restlos ausgekratzen Schraubglas; jedesmal strömt salziger Erdnussgeruch daraus, wenn meine halbseitig verstopfte Nase sich ihm nähert. Erinnert mich manchmal an Urin. In meinen Schlafsack gehüllt, die Tasse mit dem scharfen Pfeffer durch irgendsoeine Atemwegeyogiteemischung angelöster Ingwerscheiben auf dem Pappkarton, aus welchem sich seit dem Kauf eines tiefentladenen Akkus bei Kleinanzeigen vor Monaten noch immer Reste von Paintballmaskenverpackungen ergießen, streicht mein Daumen mal halbvermindert, mal dominant über die Saiten. Im Rücken ein Güterzug, sich nicht entscheiden wollend, ob er nun donnert oder quietschtkreischt. Auf jeden Fall hält er auf der Brücke an.

Unterm Kerzenschein erhellten Furnier der Inneneinrichtung erwacht der durch die Bögen unschön plattgedrückte Canalettoblick, natürlich vom falschen Ufer, in unterschiedlichen Rauschtönen, über diese immer wieder ein Zug mit jedesmal anderem Zischfietsch drüberfegt. Das Leben am Rande einer Kurve.

Nicht zu müde, beinahe flott, trägt der Fluss sein Wasser; er sieht in diesen Tagen ständig nach Regen aus. Die Farben laufen aus, wie immer siegen schwarz, braun und dieses dunkelgrün, dessen Anwesenheit im Farbkasten ich nie verstand. Gott hat seinen Pinsel wieder mal nicht richtig ausgewaschen. Passierte mir damals auch ständig.

aus Reise ohne Wiederkehr

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