Schlag den Minijob – Der Tragödie erster Teil

Gott. Die Welt. Lustige Person.
Ach, ach, verdrießliches Thema, du! Es ist Oktober und mit dem Studium gehen nun auch die goldenen Gickerlinge zur Neige.

So gnädig sich das Wetter noch zum gelungenen Festakt des wichtigsten deutschen Feiertags zeigte, so unbarmherzig, wie die Straßen danach, ist jetzt der Himmel in seiner miesen Laune und die Wolken darin sind düster, wie die, hinter den Stirnen der unglücklichen Verkehrsteilnehmer, welche nun, vom müsigen Wochenbeginn und dem logistischen Kater des Festes püriert, höhnisch in die Därme der Landeshauptstadt zurückgestopft werden. Allein der Gedanke an die Massen von Bratwürsten, Bockwürsten, Weißwürsten, Wurstwürsten, welche zur Besänftigung der nach Einigkeit und Recht und Freiheit hungernden Feiergäste von Nöten gewesen waren und die Volumina güldenen Gerstengetränks, lässt die kurzen Schauer dieses Tages sich noch einmal auf meinem Rücken niedersenken und meine Tastatur hartnäckig den häufigsten Buchstabn dr dutschn und nglischn Sprach vrwgrn.

Und zu allem Überfluss dieses tragischen Rinnsals nun dieses Thema. Passend zur Entlassung in die Arbeitswelt – wie so oft eine sardonisch treffende, deutsche Redensart – hat sich meine Schüleranzahl in der Musikschule schlagartig um ein Drittel reduziert. Der Geschmack der süßen Dinge und schönen Gaben zum Abschied der Ausgeschiedenen wandelt sich langsam in der Realisierung meiner Misere; da ist sie wieder – die zynische Metzgerware. Der Anrufbeantworter stellt noch schnell die letzte Absage eines Privatschülers durch und während mir der Tag am Hackstock meines Vaters in den Gliedern reißt, realisiere ich, unter dem erleichterten Aufstöhnen meines Geldbeutels, bei gleichzeitig plötzlicher Verengung meiner Herzkranzgefäße, dass ein Neoprenanzug für das Schwimmen in offenen Gewässern, während der kalten Jahreszeit ratsam, aber in der erforderlichen Ausführung unerschwinglich ist. Dem Winter entgegen, auch wenn Väterchen Frost seine Schneeschaufel gegen eine Sense getauscht zu haben scheint und meine angeschlagenen Bronchien mir das Großgedruckte meiner Krankenversicherungspolice unter die Nase halten, lache ich. Und wer zuerst lacht…

(Lustige Person geht ab.)

    Werbeanzeigen

    Kommentar verfassen

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Google Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Verbinde mit %s