„Schwöre mir

beim Schoß deiner Mutter, daß du das Mädchen mit keiner Fingerspitze berührt hast!“ rief der Erzdechant heftig.
„Ich bin auch bereit, es beim Haupt meines Vaters zu schwören, denn die beiden Dinge haben mehr als eine Beziehung zueinander.(…)“

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

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Die Gedanken würden sonst

von etwas ergriffen werden, das an den Verlässlichkeiten rüttelt, die man sich zu seinem Glück erworben zu haben meint. Dem Sinnlichen ist tatsächlich eine revolutionäre Kraft der Verwandlung eigen, und es scheint, als täte der Intellekt heute alles, was in seiner Macht steht, die Revolution, die vom Sinnlichen ausgeht, zu unterdrücken.

aus Zwiegespräche mit der Erde, Karsten Massei

Der Hauptmann

brach das Schweigen. „Auf Taille,“ sagte er in seinem dreisten, geckenhaften Ton, „eine charmante Kreatur! Meint Ihr nicht auch, schöne Base?“
Diese Bemerkung, die ein mit etwas mehr Zartgefühl begabter Bewunderer wenigstens leise gemacht hätte, war nicht geeignet, die weibliche Eifersucht, die gegen die Zigeunerin auf der Wacht stand, einzuschläfern.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo 

Der Spitzbogen,

der forthin alles beherrschte, hat der übrigen Kirche das Gepräge gegeben. Aber er war noch schüchtern und unerfahren; er dehnte sich noch in die Breite, hielt sich zurück und wagte es noch nicht, in Kreuzblumen und Fialen aufwärts zu streben, wie er es später bei so vielen herrlichen Domen getan hat. Er scheint die Nähe der schweren romanischen Pfeiler empfunden zu haben.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

Da war eine Art

falscher Soldat, ein Stabuler, wie man auf rotwelsch sagte, der trällernd den Verband von seiner falschen Wunde löste und sein gesundes, kräftiges Knie von den unzähligen Binden befreite, mit denen er es morgens umpanzert hatte. Sein Widerspiel war ein sogenannter Seffer, der mit Schellkraut und Ochsenblut sein krankes Bein für den nächsten Tag herrichtete. Zwei Tische weiter haspelte ein Schlepper im Pilgerkleide seine Gebete ab und vergaß weder zu psalmodieren noch zu näseln. Ein junger Vopper nahm Unterricht in der Fallsucht und ließ sich von einem alten Vazenheuer zeigen, wie man Schaum vorm Munde erzeugt, indem man ein Stück Seife kaut. Daneben machte sich ein Wassersüchtiger dünn,… 

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

Die Wirklichkeit

tagte um ihn her; er stieß sich mit den Blicken, mit den Füßen an ihr; sie zerstörte eines nach dem andern die fürchterlichen Zaubergebilde, von denen er sich anfangs umgeben geglaubt hatte. Er wurde sich klar, daß er nicht im Styx, sondern in irdischem Schmutze watete, daß er nicht von bösen Geistern, sondern von Dieben bedrängt wurde, daß nicht seine Seele, sondern sein Leben auf dem Spiel stand; denn ihm fehlte der köstliche Mittler, der den Räuber so nachdrücklich mit dem ehrlichen Mann versöhnt: die Börse.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

Wo der flackernde Schein des Feuers

sich auf dem Boden mit großen unbestimmten Schatten mengte, da huschte ab und zu über die Helligkeit ein Hund, der einem Menschen nicht unähnlich war, oder ein Mensch, der einem Hunde glich. Die Grenzen zwischen den Rassen und Arten schienen sich an dieser Stätte zu verwischen wie in einem Pandämonium. Männer, Frauen und Tiere, alle Lebensalter und Geschlechter, Gesundheit und Krankheit, alles mischte sich, alles schien diesem Volke gemeinsam. Jeder hatte Anteil an allem.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo

Aus den Häusern aber,

aus den Seitengäßchen, aus den Kellerlöchern brachen Krüppel, Blinde, Lahme, Einarmige, Einäugige, wundenbedeckte Aussätzige hervor; und je weiter er die Gasse hinunter eilte, umso dichter umschwärmte ihn das hinkende, humpelnde, heulende, brüllende, kläffende Gewimmel; alle strebten dem Licht zu und schleppten sich durch den Schlamm wie Schnecken, wenn es geregnet hat.

aus Notre-Dame von Paris, Victor Hugo